Chronik - Musikverein Karsau

Jubiläum Karsau
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Chronik

Die folgende Chronik des Musikvereins Karsau ist in drei Abschnitte unterteilt:


1.) Kurzfassung
2.) Ausführliche Chronik 1898 - 1948
3.) Ausführliche Chronik 1948  - heute  


1.) Kurzfassung

Der Musikverein Karsau wurde 1898 gegründet, der genaue Tag der Gründungsversammlung, die in der „Blume“ stattfand, ist nicht bekannt.

Überliefert ist, daß Anfang Juni 1898, die bei Bohland & Fuchs in Graßlitz, Böhmen, bestellten Instrumente geliefert wurden. Von der Bahnstation „bei Rheinfelden“ wurden sie auf einem bekränzten Pritschenwagen abgeholt und in das Vereinslokal „Blume“ überführt.

Die Gründer des Musikvereins Karsau
Lehrer Langenberger, Wilhelm Kaiser, Alfred Rietschle (ausgewandert nach Amerika), Alfred Hirtle, Reinhard Hirtle, Erhard Trüby, Otto Pfister, Karl Rietschle, Heinrich Rietschle, Friedrich Brugger, August Rüsch, August Kaiser, Hermann Hoffahrth und Emil Frech.

Die Vorstände des Musikverein Karsau
1898 - 1900 Wilhelm Kaiser
1900 - 1902 Arnold Zumkeller
1902 - 1907 Reinhard Bannwarth
1907 - 1912 Oskar Zimmermann
1912 - 1919 Karl Brombach
1919 - 1921 Hermann Kaiser
1921 - 1923 Kaspar Markoni
1923 - 1924 Karl Brombach
1924 - 1927 Eugen Rietschle
1927 - 1932 Karl Brombach
1932 - 1934 Albert Rietschle
1934 - 1935 Hugo Bernbach
1935 - 1940 August Wenk
1948 - 1950 Hugo Gentili
1950 - 1952 Ernst Brombach
1952 - 1958 August Wenk
1958 - 1960 Herbert Wießmer
1960 - 1965 Gottfried Zumkeller
1965 - 1968 Wilhelm Mahler
1968 - 1987 Gottfried Zumkeller
1987 - 1991 Klaus Ruf
1991 - 1995 Erwin Lademann
1995 - 2001 Herbert Herzog
2001 - 2003 Erwin Lademann
2003 - 2013 Christian Forster
2013 - heute Edith Brodbeck

Die Dirigenten des Musikverein  Karsau
1898 - 1901 Lehrer Langenberger
1901 - 1911 Traugott Klemm
1911 - 1920 Wilhelm Kaiser
1920 - 1929 Fritz Forster
1929 - 1936 Kaspar Markoni
1936 - 1940 Josef Mitteregger
1948 - 1965 Anton Markoni
1965 - 1974  Werner Lorch
1974 - 1984 Hanspeter Brenneisen
1984 - 1987 Ernst Kneusslin
1987 - 1990 Hanspeter Brenneisen
1990 - 2002 Prof.-Dr. Eckhart Hanser
2002 - 2007 Frank Amrein
2007 - 2010 Urs Brombach
2010 - 2011 Stefan Anna

2011 - 2012 Martin Schmidt
2012 - 2013 Stefan Anna
     ab  2014 Markus S. Tannenholz


2.) ausführliche Vereinschronik 1898 -1948

Wilhelm Kaiser hieß der Mann, der 1898 die Initiative ergriff und junge Burschen dafür begeisterte, einen Musikverein zu gründen. Der genaue Tag der Gründungsversammlung, die in der „Blume“ stattfand, ist nicht bekannt. Der junge Verein konstituierte sich wie folgt: Lehrer Langenberger Dirigent; Wilhelm Kaiser 1. Vorsitzender; Alfred Rietschle 2. Vorsitzender und Schriftführer; Alfred Hirtle Kassier, Reinhard Hirtle, Erhard Trüby, Karl Rietschle, Heinrich Rietschle, Friedrich Brugger, August Rüsch, August Kaiser, Hermann Hoffarth, Otto Pfister und Emil Frech.

Zur Instrumentenbeschaffung wurde in der Gemeinde eine vom Bezirksamt Säckingen genehmigte Haussammlung veranstaltet, bei der etwa 200 Mark zusammenkamen. Namentlich gespendet haben die Blumenwirtin Elice Rietschle 20 M; die Kreuzwirtin Maria Brombach 10 M; die Wirtin der Kraftwerk-Kantine, Viognotti 10 M; Amalie Kaiser 10 M; Balduin Rietschle, zu Ehren seiner Tochter, Frau Graner, 10 M und Pfarrer Carl Thoma 5 M. Weitere 200 M stellte der Militärverein mit der Auflage zur Verfügung, daß die Musik bei den Kirchgängen, an Großherzogs und Kaisers Geburtstag, bei Beerdigungen von Veteranen, zu spielen habe und die Musikinstrumente bei Vereinsauflösung dem Militärverein gehörten. Anfang Juni 1898 wurden die bei Bohland & Fuchs in Graßlitz, Böhmen, bestellten Instrumente geliefert. Von der Bahnstation „bei Rheinfelden“ wurden sie auf einem bekränzten Pritschenwagen abgeholt und in das Vereinslokal „Blume“ überführt. Die Instrumente bewährten sich sehr gut. Für die neu hinzugekommenen Aktiven Reinhard Bannwarth, Johann Fuchs, Josef Kaiser und Friedrich Rietschle gab es eine Nachbestellung. Der junge Musikverein Karsau machte gute Fortschritte. Es herrschte viel Eifer und eine strenge Disziplin. Dem von einer Militärübung heimkehrenden Lehrer Langenberger wurde zum Empfang am Bahnhof Beuggen schneidig der Marsch „Gruß an Karsau“ unter Leitung des stellv. Dirigenten Wilhelm Kaiser gespielt.

Gegen Jahresende 1898 übersiedelte der Verein von der „Blume“ in den „Deutschen Kaiser“. Im ältesten
vorhandenen Protokoll ist am 08. Januar 1899 Lehrer Langenberger als Vorsitzender genannt. Am 04. Juni 1899 übernahm dann der 2. Vorsitzende, der Schreiner Alfred Rietschle, dieses Amt. Der Grund dafür war: Wilhelm Kaiser war wegen des Lokalwechsels aus dem Verein ausgetreten. Kurz darauf gründete er einen zweiten Musikverein, der sich „Harmonie Karsau“ nannte. Er muß sich hauptsächlich aus einem Kreis Arbeitskollegen rekrutiert haben. Es waren dies: Josef Geiser, Schreiner; Fritz Kübler, Küfer; Friedrich Glatt; Wilhelm Hirtle; Alfred Müller; August Kaiser; Karl Sutter und ?? Gottstein, die dann, durch die Karsauer Gebietsabtretung an Nollingen ab 1902 in der  neuen Gemeinde „Badisch Rheinfelden“ wohnhaft waren. Am 5. Juni 1905 löste sich die „Harmonie Karsau“ auf. Am selben Tag erfolgte unter Vorsitz von Peter Krauseneck die Gründung des Musikvereins „Harmonie Badisch Rheinfelden“.


                                                                        Eine Aufnahme aus dem Jahre 1901                                                                                            
Stehend von links: Heinrich Rietschle; Hermann Hoffarth; Friedrich Brugger; Reinhard Bannwarth; Traugott Klemm; Johann Fuchs; Oskar Zimmermann; Friedrich Rietschle; Erhard Trüby; Ludwig Nann; Reinhard Hirtle; Babtist Hirtle; Karl Bär.
Sitzend von links: August Rüsch; Adolf Rietschle; Lehrer Langenberger; Arnold Zumkeller; Alfred Rietschle; Kurt Brombach.

Die im Jahre 1899 ins Leben gerufene Freiwillige Feuerwehr Karsau verpflichtete den Musikverein gegen Zahlung von jährlich 60 Mark bei Begräbnissen und bei Festlichkeiten der Feuerwehr mitzuwirken. Im gleichen Jahr unternahm der junge Karsauer Musikverein einen dreitägigen Ausflug. Per Bahn ging es über Freiburg, Elzach, Konstanz, zum Rheinfall in Schaffhausen und zurück nach Beuggen. 1899 fand auch ein Preiskegeln und eine Christbaumverlosung zur Auffrischung des Kassenbestandes statt. Erwähnt ist erstmals der Vereinsbetrag von Aktiven, der auf 80 Pfennig pro Monat reduziert wurde. Die Bezüge des Dirigenten betrugen anfänglich 15 Mark; später 12 Mark pro Monat.
Aktive, die bei Proben fehlten und sich nicht innerhalb 24 Stunden schriftlich entschuldigten, zahlten 50 Pfennig Strafe. Im Jahre 1901 übernahm ein Hotzenwälder, Arnold Zumkeller, das Amt des Vorsitzenden. Den Mitgliedern, die im gleichen Jahr beim Waldfest nicht Hand anlegten, wurde eine Strafe auferlegt. In diesem Jahr wurde auch der Mitgliedsbeitrag der Aktiven von 50 Pfennig auf 20 Pfennig pro Monat gesenkt. Schön muß die Schlittenpartie gewesen sein, die der Verein am 10. Februar 1901 mit Pferden unternahm. Mit Gaben im Wert von 10,27 Mark behangen, war bei der Christbaumfeier am 5. Januar 1902 der Baum. Die Versteigerung einschließlich Stamm brachte 42,74 Mark. Mit 300 Losen wurden Gaben im Wert von 19,35 Mark. verlost, das Los zu 20 Pfennig Für den nach dem Hotzenwald verzogenen Vorsitzenden übernahm 1902 Friedrich Rietschle den Vorsitz. Dieser wiederum wanderte 1903 nach Amerika aus. Für den nach Blasiwald versetzten Lehrer Langenberger übernahm 1901 Traugott Klemm aus Minseln den Dirigentenstab. Im Jahre 1904 halfen die Karsauer in Wiechs bei der Gründung des „Alemannischen Musikverbandes“, dem sie seither angehören. Auf der Hohen Flum beim ersten Verbandsmusikfest spielten sie „Divertissement“ aus der Oper Freischütz. Eine harte Trinkfestigkeitsprobe mußten die Vereinsmitglieder im Sommer 1906 auf einem gemeinsamen Ausflug mit dem Bierbrauerverein Rheinfelden/Schweiz bestehen.  
Im Dorf kam es gelegentlich zu Gemeindeveranstaltungen mit dem Leseverein Riedmatt und dem Gesangverein „Eintracht“. Beim Wasserfest (Einweihung der Dinkelberger Wasserversorgung) am 22. Juni 1908 spielte die Musik im Rundgang in den Verbandsgemeinden. Vier Tage später wurde das 10-jährige gefeiert, bei dem die 27 Festjungfrauen durch Olga Fricker ein Trinkhorn überreichen ließen. Es gab einen Umzug, an dem sich der Radfahrverein „Wanderlust“, die Freiwillige Feuerwehr und die Musikvereine aus Rheinfelden, Adelhausen und Öflingen beteiligten. Erlös beim Stiftungsfest: 74 Mark. Erstmals war in einem Protokoll von 1908 davon die Rede, die Gemeindeverwaltung wegen einer Unterstützung anzugehen. Neue Instrumente lieferte 1909 die Firma Glassel in Komtau/Böhmen, die die alten Instrumente in Zahlung nahm. Aus dem Altbestand kaufte Karl Brombach ein Flügelhorn für 12 Mark; Otto Klingler ein B-Piston für 10 Mark und August Rietschle eine Konzerttrompete für 10 Mark. Beim Verbandsmusikfest in Rheinfelden errang der Musikverein Karsau am 3. Juni 1912 bei schwerer Konkurrenz einen Lorbeerkranz. Infolge eines „unglücklichen Zufalls“ hätten die Bassisten versagt und dadurch die bessere Bewertung zunichte gemacht. Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Brandgeschädigten von Altglashütten erbrachte am 18. August 1912 einen netten Betrag, der an das Bezirksamt Säckingen überwiesen wurde. Gemeinsam mit dem „Freien Leseverein Karsau“ ist am 14. Juli 1914 ein Waldfest veranstaltet worden.  

Fast alle Aktiven zogen im August 1914 in den Krieg. Verblaßt hingen die Instrumente im Vereinslokal, als ob sie um ihre Bläser trauerten, von denen mancher nicht mehr heimkam. Ersatzweise schulte der junge Musikant Eugen Rietschle 1915 zehn Zöglinge, die dann bereits 1916 die Alten bei der Fronleichnamsprozession vertraten. Sechs Aktive und sieben Passive kehrten nicht mehr aus dem Felde heim. Die Chronik widmet jedem ein paar erinnernde Daten. Von einem Kameraden, dessen Geschlecht sehr mit dem Verein verbunden ist, findet sich folgender Eintrag: Anton Markoni, geb. 25.9.1892, Weber, einberufen 1.10.1914, Tiroler Schützen-Reg. Nr. 1, 4. Komp., gefangen am 4.2.1915 in den Karpathen, gest. im Mai 1916 in Petrosavak/Sibirien.

Die Überlebenden kamen am 11. Januar 1919 auf Einladung des früheren 2. Vorsitzenden August Rietschle (Moler Augi) zusammen. Hermann Kaiser übernahm den Vorsitz und der Gründer, Wilhelm Kaiser, den Dirigentenstab. 12 Millionen Reingewinn machte der Verein am 15. Juli 1923 beim 25-jährigen Stiftungsfest. Dafür wurden Vereinsmützen bestellt. Bei Auslieferung der Mützen war eine Nachzahlung von weiteren 35 Millionen fällig. Nach der Inflation konsolidierte der Verein recht ordentlich. Die nachfolgenden Krisenjahre und die Arbeitslosigkeit eingangs der Dreißiger Jahre waren erträglich, weil die Rheinfelder Industrie krisenfest blieb und keine Entlassungen vornahm. Dazu kam durch den Bau des Kraftwerkes Ryburg-Schwörstadt Geld in die Gemeinde, aber auch viel Unruhe und fortwährende Schlägereien seitens der „Baraber“, die mit den Firmen Grün & Bilfinger und Philipp Holzmann hierher kamen. Vom Chronisten sind auch einige denkwürdige Begebenheiten festgehalten. Dem alten Vereinswirt Julius Welde wurde auf dessen Wunsch bei seinem Begräbnis vor dem Trauerhaus sein Reitermarsch gespielt. Zu Grabe getragen wurde am 10. November 1926 Dirigent Traugott Klemm, Rebstockwirt, aus Beuggen. Ergriffen standen die Musiker an seinem Grab. Sein ganzes Leben galt der Musik und dem Gesang. Eine große Trommel schenkte 1926 der Arbeiter-Radfahrverein der Musik. Im Garten hinter dem „Kaiser“ wurde am 7. Juli 1928 das 30-Jährige gefeiert. Es herrschte große Hitze. Die leeren Bierfässer sollen wie Kartuschen einer Schnellfeuerbatterie vom Ausschank weggerollt sein. Bürgermeister Karl Wießmer hielt die Festrede. Zum 25-jährigen Priesterjubiläum bekam Pfarrer Spieß am 15. Juli 1928 ein Ständchen gespielt. Von Fritz Forster übernahm am 2. Februar 1930 Kaspar Markoni das Dirigentenamt.

Die Generalversammlung am 29. Januar 1933 brachte keine Änderungen der Vorstandschaft, doch dabei durfte es nicht bleiben. Der Chronist August Rietschle zog sich mit seiner Schilderung vorsichtig aus der Affäre. Die außerordentliche Generalversammlung bestellte für den sehr verdienten, jedoch politisch (SPD) untragbar gewordenen Vorsitzenden Karl Brombach (Musikvater) am 25. Juni 1933 unter dem Druck der politischen Verhältnisse dessen Stellvertreter zum Vorsitzenden.

Beim Fackelzug aus Anlaß des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich spielte der Musikverein Karsau in allen drei Ortsteilen. In der Storchenhalle in Riedmatt fand am 4. August 1938 die Feier zum 40-jährigen Vereinsbestehen statt. Auf staatliche Anordnung wurde der Verein am 4. Dezember 1938 zur Gemeinde-Kapelle erklärt. Als solche hatte sie keine finanziellen Sorgen, sie mußte sich aber in den politischen Rummel einspannen lassen, was vielen nicht behagte. Organisationsleiter war Bürgermeister Adolf Frech, ein „Brauner“, aber ein menschlicher und seines Gemeindeamtes absolut würdiger Sachverwalter.

Eine allgemeine Gaudi, auch für politisch Andersdenkende gab es am 16. Januar 1939, als die ganzen Männer der Jahrgänge 1900 bis 1907 zur Musterung aufgeboten waren und danach am Bahnhof Beuggen von der Musik mit klingendem Spiel empfangen wurden. Der politische Einfluß griff 1939 auch bei der Musik immer mehr hart durch. So mußte im „Kaiser“ bei einer Namensgebung (Kindstaufe) gespielt werden, wogegen die herkömmliche Teilnahme bei der Fronleichnamsprozession untersagt blieb.  

Der „Deutsche Gruß“ und der Spruch auf den „Adolf“ war unter Kollegen, die politisch immun waren, nicht üblich. In der Öffentlichkeit, beim Betreten einer Amtsstube oder der Gastwirtschaft, da blieb einem nichts anderes übrig. 

Auf Rockaufschlägen von Musikvereinsmitgliedern war das Abzeichen der NSDAP zu finden. Politik blieb jedoch, so gut es ging, aus dem Verein herausgehalten. Eingedenk der schweren Wirtschaftskrise eingangs der Dreißigerjahre, welche während des Dritten Reiches überwunden wurde, war die Bevölkerung nicht abgeneigt, die nationale Strömung mitzumachen.

Mit der Parole „Arbeit und Brot“ wurde mit Nachdruck dieser Erfolg gepriesen. In der Schule wurden die Kinder zum Beitritt in die Jugendorganisation „Jungvolk“ und „Jungmädel“ aufgefordert. Nach der Schulentlassung erfolgte die Übernahme in die „Hitler-Jugend“ und in den „Bund deutscher Mädchen“. Relativ wenige Eltern hielten ihre Kinder diesen Organisationen fern. Begeistert machte die Jugend mit. In Jugendlagern, Abend-, Nacht-, Sport- und anderen Veranstaltungen fanden sie Gelegenheit, aus dem Elternhaus herauszukommen.  

Die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sich immer mehr verdichtende Aggressionspolitik und auch die Rassengesetze veranlaßten viele Gemeindemitglieder vom allgemeinen Kurs abzuschwenken. Äußerlich durfte  sich das niemand anmerken lassen, weil die Bespitzelung die 100%-ige Gefahr beinhaltete, bestraft und in der beruflichen Entfaltung gehemmt zu werden.

Die in Rheinfelden erschienene „Oberrheinische Zeitung“ und das „Säckinger Volksblatt“ mußten ihr Erscheinen einstellen. Auch die in der Gemeinde zahlreich gelesene „Volkswacht“, das SPD-Organ, erlag 1933 einem Verbot. Das Parteiblatt „Alemanne“ war als Zeitung entsprechend aufgemacht. Viele, auch Parteimitglieder informierten sich täglich, indem sie morgens, mittags und abends die Nachrichten des Schweizer Radiosenders „Beromünster“ abhörten. Während des Krieges war das streng verboten.

Der katholische Ortsgeistliche Richard Schneider, der in seinen Predigten und bei Hausbesuchen den staatspolitischen Gesetzen widersprach, wurde deswegen im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Neben der NSDAP gab es in der Gemeinde eine SA und andere Organisationen.   


                                                                                        Soldatengruß 1941                                                                                                                           
Dieses Bild entstand 1941 vor der Schule in Karsau.
Der sitzende Nachwuchs von links: Herbert Wießmer, Edwin Frech, Kurt Brombach, Heinz Deninger, Fritz Raupp, Kurt Wenk und Edwin Hirtle.
Stehend von links: Bürgermeister Adolf Frech, Fritz Rietschle, Albert Rietschle, Karl Gießler, Karl Brombach, Otto Frietsche, Werner Forster, Fritz Kym, Hugo Gentili, Gustav Rietschle, Franz Brombach, Berthold Markoni, Franz Frommer, Albert Brombach, Reinhold  Lützelschwab, Kaspar Markoni und Dirigent Josef Mitteregger.


Im August 1939 mußten alle Männer zwischen 20 und 45 Jahren, soweit sie nicht „uk“ gestellt waren, zum Militär einrücken. In den ersten Kriegstagen mußten die Pkw-Besitzer aus den Ortschaften am Westwall die Einwohner evakuieren. Fast in jedem Haus waren Leute aus Fischingen oder Egringen untergebracht. Auch das Vieh hatten die Leute mitgebracht. Viele gingen später wieder zurück und mußten dann 1940 vor dem Westfeldzug wieder ihre Häuser räumen. 

Von 1939 bis 1948 waren Lebensmittel, Schuhe, Fahrradbereifung, Kleidung, Benzin u.a. rationiert. Einmal im Jahr gab es eine Kleiderkarte und jeden Monat auf dem Rathaus für jede Person die Lebensmittelkarten. Bauern, die Selbstversorger waren, bekamen keine. Beim Einkauf der Lebensmittel mußte der jeweils für den Bezug der Ware entsprechende Kartenabschnitt mit der Schere abgetrennt werden. Leute, die körperlich schwer arbeiten mußten, bekamen Schwer- und Schwerstarbeiter-Zulagekarten.

Gegen Kriegsende und kurz danach war die Versorgung der Bevölkerung katastrophal. Die französische Besatzung war zu einem großen Teil mitzuversorgen, weil in Frankreich die Wirtschaft auch daniederlag. In der  englischen und amerikanischen Besatzungszone war die Lebensmittelversorgung wesentlich besser. Es gab in der Gemeinde oft Vieh- und andere Bestandsaufnahmen. Wenn die vom Rathaus bestimmten Zähler kamen, wurden Hühner, Schweine und andere Viecher versteckt. Der Schwarzmarkt und die Schwarzschlachtungen blühten. Auch der Handel mit Genußmittel. In vielen Häusern wurde schwarz gemahlen und auch gebrannt. Der Preis für 250 g Rohkaffee betrug 1945 etwa 300 Mark; der Stundenlohn eines Arbeiters etwa 70 Pfennig. Sehr ernste Probleme gab es bei der Ernährung  der Kleinkinder. Es gab Fälle, wo Leute zum Kartoffelbraten Kerzenwachs verwendeten. Größtenteils war die Bevölkerung richtiggehend abgemagert.  

Kriegshandlungen gab es 1940, als im August englische Flugzeuge in einer Nacht die Aluminium-Hütte bombardierten. Später, ab Herbst 1944, überflogen von Frankreich her Jagdbomber täglich das Hochrheingebiet, um mit kleinen Bomben und Bordwaffen Ziele, ja sogar einzelne Personen, die auf dem Feld arbeiteten, anzugreifen. Die Züge fuhren deswegen meist nur zur Nachtzeit. Ein weiteres Problem war die polizeilich überwachte Verdunkelung der Gebäude und der Fahrzeuge (auch Fahrräder) zur Nachtzeit, damit Fliegern kein Angriffsziel geboten war. Oft überflogen große Bomberverbände unsere Gemeinde, um in Augsburg, München, Nürnberg oder sonstwo ihre tödliche Fracht abzuladen. 

An der Schildgasse waren Barackenlager, in denen von 1940 bis 1945 französische, russische und zuletzt noch, italienische Kriegsgefangene untergebracht waren. Polnische Zivilinternierte (bei Landwirten eingesetzt)  wohnten in dem niedrigen Gebäude hinter der alten Schule.

Der gegen Kriegsende befohlene „Totale Krieg“ verlangte von Schülern, Frauen und alten Männern Schanzarbeiten. In den Vogesen gerieten einige Schanzer im November 1944 in Gefangenschaft. Die älteren, noch daheimgebliebenen Männer mußten im letzten Kriegsjahr im Volkssturm Dienst leisten. Ihnen oblag in der Hauptsache die Ortsverteidigung. Mit langen Baumstämmen wurden an der B34 bei der Tschamber-Höhle und beim Dorfbrunnen in Riedmatt Panzersperren errichtet. An Sonntagen mußte der Volkssturm die Schließung für den Tag X üben. Als die Franzosen vor dem Ort standen, widersetzten sich Frauen aus Riedmatt der Schließung der Sperren. Um die drohende Vernichtung abzuwenden, verlangte Bürgermeister Frech, daß der Ort nicht verteidigt werde. Deswegen geriet er in Widerspruch zu dem bestehenden Befehl. Ein Hauptmann der Wehrmacht setzte ihm in Riedmatt im Beisein einiger Volkssturm- und Wehrmachtsangehöriger seine Pistole auf die Brust. Angesichts der Haltung beherzter Riedmatter zog der Hauptmann dann stillschweigend ab. Die Radfahrschwadron bekam in Riedmatt Zivilkleidung und verduftete. Zum Zeichen der Kapitulation hingen an den Häusern weiße Bettücher. Einige Regimetreue hausten in den letzten Tagen als sogenannte „Wehrwölfe“ im Minsler Wald in einer eingegrabenen Baracke. Sie verhielten sich ruhig, wurden aber nach der Kapitulation wegen ihres politischen Verhaltens inhaftiert. 

Anmerkung: Wir haben dieses düstere Kapitel unserer Dorfgeschichte in die Chronik aufgenommen, damit es unserer jüngeren Generation zugänglich ist und erhalten bleibt. Dafür möchten wir die Älteren um Verständnis bitten.

Die Besatzungszeit 
Wie es in unserem Vereinsleben während des Krieges und kurz danach aussah, das läßt sich aus den vorangegangenen Schilderungen ermessen. Sechs Aktive fielen, als letzter kehrte anfangs Januar 1950 Werner  Brombach aus der Gefangenschaft heim.  

Durch Kontrollgesetze waren 1945 alle Vereine und Vereinigungen aufgelöst worden. Im Dorf waren keine Besatzungssoldaten. Trotzdem wurde viel requiriert. Jeder Haushalt mußte komplette Kleidungsstücke für die Einkleidung eines Mannes abliefern. Die „Wiedergründung“ des Musikvereins mußte 1946 von politisch „unbescholtenen“ in französischer Sprache beim Gouvernement Militär in Säckingen beantragt werden. Am 14.  Februar 1948 konstituierte sich der Verein in einer Wiedergründungsversammlung. Unter dem Vorsitz von Hugo Gentili und dem bewährten Militärmusiker Anton Markoni als Dirigenten kam es zu einem raschen, erfolgreichen Aufstieg. Ein Debut seines  Könnens gab der „Toni“ zuvor, als er als „Prisonier“ mit einer Kapelle in Karsau ein Konzert gab.

Mit einjähriger Verzögerung feierte der Verein vom 4. bis 6. Mai 1949 im „Maurer-Garten“ in Beuggen das 50-jährige Jubiläum. Dazu waren 27 Festjungfrauen und die drei Gründer Wilhelm Kaiser, Heinrich Rietschle und Emil Frech aufgeboten. Die Festprogramme erschienen mit Inseraten in einer kleinen Festschrift. Das Jubiläumsfest nahm einen sehr dem Ansehen des Vereins dienenden Verlauf.



3.) ausführliche Vereinschronik 1948 - heute

In Karsau, man muß es einfach betonen, sind Musik und Gesang zuhause. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass bei der ersten Möglichkeit von Seiten der Besatzung der Musikverein Karsau wieder auflebte. Das Glück trug den Namen Anton Markoni, der es seit 1948 als Dirigent vorzüglich verstand, eine Mannschaft zusammenzuschmieden, sie musikalisch zu schulen und der Dorfgemeinschaft eine Möglichkeit der musikalischen Jugendschulung zu bieten. Der Musikverein wuchs unter seiner tatkräftigen Leitung in 17 Jahren kontinuierlich zu musikalischer Hochleistung heran. Sein Wirken darf nie in Vergessenheit geraten und verdient heute noch  höchsten Dank!  

Anton Markoni, als alter Militärmusiker, vergaß es auch nie, das Gedenken an die im Krieg gefallenen Musikkameraden wachzuhalten. Es waren dies: Hugo Wießmer, Franz Frommer, Paul Zumkeller, Albert Rietschle, Gottfried Spitz und Ernst Brugger.

Hugo Gentili, damals der 1. Vorsitzende des neuen, jungen Musikvereins hatte sicher keine leichte Aufgabe. Mit Bravour meisterte er mit seinen Mannen die ersten, sicher schweren Hürden nach dem Neustart. 1949 wurde, mit einem Jahr Verspätung, im „Maurergarten“ in Beuggen das 50-Jährige gefeiert. 


                                                                    Aktivmitglieder beim 50-jährigen Jubiläum
Sitzend von links: Hugo Bernbach, August Rietschle, Albert  Rietschle, Adolf Rietschle, Hugo Gentili, Anton Markoni, Karl Brombach, Karl Wießmer, Karl Hirtle und Ernst Brombach
Mittlere Reihe von links: Karl Hinderer, Erich Dold, Erwin Hirtle, Werner Stockmar, Hans Brugger, Gottfried Zumkeller, Edwin Frech, Herbert Wießmer, Herbert Geipel, Rudi Brombach, Werner Forster, Berthold Markoni und August Wenk
Hintere Reihe von links: Ewald Brombach, Reinhard Fingerlin, Hans Zumkeller, Fritz Fritsche, Otto Zumkeller, Bruno Wießmer, Fritz Kym, Guido Markoni, Hugo Sauer, Kurt Wenk, Otto Fritsche und Helmut Storf


Schön und für das stark wachsende Karsau förderlich war die Integration vieler „Neubürger“ in den Verein. Über den Musikverein hatten sie eine neue Heimat gefunden. 

Ein schmerzlicher Verlust für den Verein war 1949 der Tod von Aktivmitglied Karl Rietschle (Andres), doch freute man sich in diesem Jahr auch über eine echte Verjüngung der Kapelle durch 14 Zöglinge. Viele von ihnen hielten dem Verein recht lange die Treue. 

1949 konnte der Musikverein Karsau erstmals wieder die Erstkommunikanten zur Kirche geleiten, was unter der Nazi-Diktatur nicht geduldet war. Am 20. November 1949 schloß sich der Musikverein Karsau wieder dem Alemannischen Musikverband an.

Schon 1950, am 02. Juli, wagte es Anton Markoni, mit seinen Musikern am ersten Wertungsspiel nach dem Krieg in Wyhlen teilzunehmen und stolz mit dem Prädikat der Mittelstufe heimzukehren. 

Zum Ende des Jahres 1950 verstarb der verdienstvolle Gründer des Musikvereins Karsau Wilhelm Kaiser. 

1952 übernahm der stets humorvoll wirkende August Wenk den Vorsitz im Verein. Seine erste Tat war die Anschaffung der neuen „braunen“ Uniform. Im selben Jahr verstarb ein großer Förderer des Musikvereins, der Bürgermeister Ernst  Albietz. Sein Nachfolger wurde Albert Brombach. De „Berti“ war bereits ein Ehrenmitglied des Karsauer Musikvereins und schon deshalb mit der Musik eng verbunden.  

Am 22.06.1952 wagte man sich abermals an ein Wertungsspiel. In Steinen errang man die Wertung „hervorragend“. 

Daß Geselligkeit eines der höchsten Prinzipien des Vereins war, zeigte sich, als sich in dieser Zeit einige damals aktive Musiker entschlossen, eine Narrenzunft Karsau zu gründen und somit auch eine „Moschtbiremusik“ (Fasnacht mit Umzügen und Musik wird in der Vereinschronik aber schon 1950 erwähnt). 

Die in Beuggen wohnenden Aktivmusiker probten zu Fasnacht immer in der Buchbinderei Hirtle. Dabei entstand der allseits bekannte Ohrwurm „Beuggener Narrenmarsch“, den die Moschtbiremusik heute noch, bei jedem fasnächtlichen Auftritt spielt. 

Bis zum heutigen Tag ist der Musikverein Karsau als weithin bekannte Moschtbiremusik mit ihren roten Hosen, grünen Blusen und der markanten Moschtbire auf dem Kopf der Narrenzunft treu geblieben und begleitet sie musikalisch bis zu zehnmal jährlich an allen möglichen Umzügen und Veranstaltungen.

Ausführlich wurden die ersten Jahre der Wiedergründung hier dargestellt, in voller Absicht, denn diese Pionierjahre haben es verdient, in der Erinnerung festgehalten zu werden. 

Die nächsten Jahre folgen nun mit den wichtigsten Begebenheiten. So feierte die Gemeinde unter Mitwirkung des Musikvereins am 19.04.1953 die Einweihung der neuen Schule. In Minseln wurde die 1200-Jahrfeier mitgestaltet, ebenso das 50-jährige Vereinsjubiläum der Stadtmusik Rheinfelden.

Am Fasnachtsumzug in Rheinfelden am 12. Februar 1956 war es so kalt, daß nur ein Marsch gespielt werden konnte. Danach waren die Instrumente eingefroren.

Am 27. Mai 1956 errang der Musikverein Karsau beim Wertungsspiel in Tiengen in der Oberstufe die Wertung „vorzüglich“.

Am 09. September 1956 wurden die neuen Glocken der Michaelskirche unter feierlichen Klängen des Musikvereins vom Ortseingang Beuggen in das Schloß geleitet. Es war ein Festtag für die gesamte Gemeinde.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben wurde das 60-jährige Jubiläum vom 21.-23. Juni 1958 auf dem Festplatz im „Dreispitz“ zwischen den Landstraßen nach Nollingen und Rheinfelden.

Dieses Fest wurde ein voller Erfolg - zur Belohnung gab es einen unvergesslichen 2-tägigen Ausflug nach Lichtenau, der Heimatgemeinde unseres Förderers Ernst Lutz. 

Anzumerken ist, daß der Musikverein in diesen Jahren 1950 - 1958 sehr aktiv war. Besuche bei Gastvereinen bis weit über die Bezirksgrenzen waren keine Seltenheit. Auch wurde bei Festen und Anlässen der örtlichen Vereine sehr oft auch zum Tanz gespielt. Keine Seltenheit war auch, daß der MVK zu Hochzeiten und Jubiläen eingeladen wurde. Die Eintragungen in den Protokollbüchern hatten jedes Jahr bis zu 45 Auftritte zu verzeichnen.

Am 02. August 1959 galt es mit einem Ständchen den neuen (und letzten) Karsauer Bürgermeister Willi Spitznagel zu begrüßen. Auch er wurde ein großer Fan des Musikvereins. Willi Spitznagel blieb bis zur  Zwangseingemeindung am 01.01.1975 Bürgermeister von Karsau.  

Immer wieder feierten die Musiker mit ihren Freunden vom Sportverein und besonders mit dem Gesangverein gemeinsame Wald- und Sommerfeste. Enge Kontakte pflegten die beiden langjährigen Dirigenten Anton Markoni vom Musikverein und Heinrich Schweikert vom Karsauer Gesangverein, sodaß viele gemeinsame Auftritte bei der Bevölkerung immer wieder begeistert aufgenommen wurden.

Vom 17.-19. Juni 1960 organisierten die Verantwortlichen des Musikvereins einen Ausflug in das allgäuische Bertoldshofen. Noch im gleichen Jahr statteten die Bertoldshofener einen Gegenbesuch ab. Noch sehr oft sollten  sich diese gegenseitigen Freundschaftsbesuche wiederholen. Daraus entstanden unter vielen Familien Freundschaften, die bis zum heutigen Tage anhalten.  

1962 organisierte der Verein, im Auftrag der Gemeinde Karsau, das Wasserfest der Dinkelberger Wasserversorgung in einem großen Festzelt beim jetzigen Ponyhof. Verbunden mit diesem überörtlichen Ereignis war die Uniformweihe der grauen Uniform, dem Zweireiher.  

1964 verdienten sich die Karsauer Musiker unter der Stabführung von Anton Markoni beim Wertungsspiel in Schwörstadt ein „vorzüglich“. 

1965 wurde Willi Mahler zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Der Dirigent Anton Markoni gab nach 17 Jahren eifrigen Schaffens den Taktstock an den Rheinfelder Werner Lorch weiter, der ganz in dessen Sinne die Leistungen der Musiker weiter forderte und förderte.

In diesem Jahr wurde die Satzung des Musikvereins neu verfaßt. Mit wenigen ergänzenden Änderungen ist sie heute noch gültig.


Auszug aus der Satzung:

 Paragraph 1         Name und Sitz des Vereins
 Der Verein wurde im Jahre 1898 gegründet und trägt den Namen „Musikverein Karsau“; er hat seinen Sitz in der Gemeinde Karsau. Er soll in das Vereinsregister eingetragen werden.   

 Paragraph 2         Zweck des Vereins
 Der Verein dient gemeinnützigen Zwecken. Er will die Volksmusik in der Gemeinschaft pflegen und fördern und den weltlichen und kirchlichen Festen den musikalischen Rahmen geben; er will darüber hinaus auch der
 Geselligkeit innerhalb der Gemeinde  dienen.
 
 Paragraph 3         Mitgliedschaft
 a)   Aktives Mitglied kann jede unbescholtene Person werden, die ein Musikinstrument beherrscht. Über die Aufnahme eines aktiven Mitgliedes entscheidet der Gesamtvorstand zusammen mit dem Dirigenten.
 Jedes aktive Mitglied ist verpflichtet, an den festgesetzten Proben und anderen Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen. Für seine Mitwirkung erhält das aktive Mitglied keine Entschädigung.
 
 b)   Passives Mitglied kann jede unbescholtene Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat, oder Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben mit der Zustimmung (schriftlich) ihres gesetzlichen
 Vertreters. Über die Aufnahme entscheidet der Gesamtvorstand. Jedes passive Mitglied ist zur Zahlung eines Vereinsbeitrages verpflichtet. Die Höhe dieses Beitrages wird durch die Generalversammlung bestimmt.

 Paragraph 4         Austritt und Ausschluß
 a)   Der Austritt eines aktiven oder passiven Mitgliedes kann nur zum Ende eines Geschäftsjahres erfolgen; er muß dem Vorstand schriftlich angezeigt werden.
 
 (...)
 

Diese Satzung wurde am 29. Januar 1966 bei der Generalversammlung des Musikverein Karsau im Gasthaus zum Kaiser in Karsau durch die damalige Vorstandschaft und anwesenden Mitglieder einstimmig genehmigt.

Wie in jedem Verein gab es auch beim Musikverein in den vielen Jahren immer wieder Wechsel in der Vorstandschaft. 1958 hatte der Wenk „Gusti“ die Vereinsverantwortung in die jüngeren Hände von Herbert Wießmer gelegt, der 1960 von Gottfried Zumkeller, dem dynamischen Jungmusiker, abgelöst wurde. Er pausierte von 1965 bis 1968, dann aber übernahm der Gottfried ab 1968 die Geschicke des Vereins vorbildlich bis zum Jahre 1987. Für diese lange Zeit des Schaffens wurde Gottfried Zumkeller zum Ehrenvorsitzenden des Musikvereins Karsau ernannt. Eine lange, verdienstvolle und erfolgreiche Zeit. Er war es auch, der immer wieder zu Vorstandssitzungen rief, um eine große Mehrheit für Vereinsentscheidungen zu finden. 

Immer stärker wurde der Musikverein in Anspruch genommen durch Konzerte, damals noch im alten „Kaiser-Saal“, Fasnachtsveranstaltungen, kirchliche Anlässe, Freundschaftsbesuche, Teilnahme an Gemeindeanlässen  und 1970 endlich auch bei der Einweihung der Mehrzweckhalle.  

Nie haben die Bewohner des Bürgerheimes Rheinfelden die alljährlich stattgefundenen Konzerte der Karsauer Musiker in ihrem Wohnheim vergessen.

Noch mehr strapaziert wurde in dieser und der vergangenen Zeit die Unterhaltungsabteilung - die Tanzmusikgruppe -, die oft auf „zwei Hochzeiten gleichzeitig spielte“. Die eine Hälfte am Waldfest des Sportvereins Karsau, die andere bei einer Veranstaltung in Minseln. 

Alles in allem gesagt, der rührige Verein war immer ausgebucht, was den Zusammenhalt vorbildlich festigte.

40 bis 50 Auftritte und ebensoviele Proben waren und sind immer noch das Jahrespensum eines Musikers. Ich denke, das alleine schon verdient großes Lob und Anerkennung, wenn man bedenkt, daß die ganzen Strapazen  ehrenamtlich auf sich genommen werden und nur den Zweck hat, die Blasmusik zu fördern, jungen Menschen eine Möglichkeit der sinnvollen Freizeitgestaltung zu geben, und den Mitmenschen eine „musikalische“ Freude zu machen, die leider nicht immer gebührend honoriert wird.  

„Einem jeden recht getan ist eine Kunst die niemand kann.“ 


Wieder ein ganz besonderes Ereignis war 1971 die 700-Jahrfeier der Gemeinde Karsau, die mit 2-jähriger Verspätung unter Mitwirkung des Musikvereins gefeiert wurde. Dieses Fest wurde wieder, zum dritten Mal nach Kriegsende, mit einer Uniformweihe verknüpft. Dieses Mal war die neue Uniform grün. Das Festkonzert war ein unvergeßlicher Höhepunkt in der Geschichte Karsaus. 

Unvergeßlich wird die 75-Jahrfeier des Musikvereins Karsau 1973 bleiben. In einem großen Festzelt in der „Sengele“ wurde 4 Tage und Nächte lang dieser Geburtstag gefeiert. Viele werden sich noch gerne an dieses Fest mit dem „Großen Zapfenstreich“, der von den Musikvereinen Karsau und Minseln und dem Fanfarenzug Karsau aufgeführt wurde und dem Konzert des Luftwaffenmusikkorps II der Bundeswehr erinnern.

1974 mußte der Dirigent Werner Lorch krankheitshalber den Taktstock niederlegen. Vorstand Zumkeller konnte in einer der nächsten Vorstandssitzungen den neuen Dirigenten Hanspeter Brenneisen, einen dynamischen jungen Mann aus Grenzach, vorstellen. 

Hanspeter Brenneisen leitete den Musikverein Karsau erfolgreich und zielbewußt von 1974 bis 1984 und nochmal von 1987 bis 1990. 

Die 70er-Jahre waren geprägt von eifrigem Musizieren zu allen erdenklichen Anlässen. Eine Leistungssteigerung des Vereins war deutlich zu spüren und Ortsvorsteher Herbert Rietschle zeigte den Stolz der Gemeinde auf  seinen Musikverein bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Gemeinschaftskonzerte für Musik- und Gesangverein waren zur guten Tradition geworden. Die Anerkennung zeigte sich auch in der Mitgliederzahl, die bereits die 400 überstieg.

Herbert Rietschle ist bis heute ein treuer und großer Gönner und Förderer geblieben. Hat er doch dem Musikverein Karsau zu seinem 100. Geburtstag eine Vereinsfahne geschenkt. Hierfür bedanken sich die aktiven  Musikerinnen und Musiker nochmals recht herzlich.  

Was heute schon selbstverständlich ist, begann beim Musikverein Karsau 1975. In diesem Jahr traute sich zum ersten mal in der Vereinsgeschichte eine junge Dame, Susanne Albietz, unter die Männer. Susanne war somit die erste Musikerin im Musikverein Karsau. Heute sind rund 70 % der Zöglinge Mädchen. 

1981 nahm der Musikverein Karsau am Bundesmusikfest in Villingen teil. Für die damaligen Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis.

1984 verabschiedete sich der Dirigent Hanspeter Brenneisen nach 10 Jahren erfolgreicher Arbeitsleistung vom Karsauer Musikverein und übergab den Taktstock an den Fahrnauer Klarinettisten Ernst Kneusslin. Dieser dirigierte die Kapelle bis 1987. 

Ab 1987 dirigierte wieder Hanspeter Brenneisen für weitere 3 Jahre den Musikverein und der langjährige 1. Vorsitzende Gottfried Zumkeller gab nach 25 Jahren bester Arbeit die Vereinsführung an Klaus Ruf ab. 

Klaus Ruf, dessen erste Amtshandlung es war, Gottfried Zumkeller zum Ehrenvorstand des Musikvereins Karsau zu ernennen, blickte auf 489 Mitglieder. Eine stolze Zahl! (Die „magische“ Zahl 500 ist bis heute noch nicht erreicht).

1988 feierte der Musikverein in einem Festzelt am Karsauer Sportplatz den 90. Geburtstag. Dieses Fest brachte dem Verein leider nicht den gewünschten Erfolg. 

1990 kam ein entscheidender Wechsel in der musikalischen Vereinsführung. Ein junger Mann aus Rheinfelden, Dr. Eckhart Hanser, übernahm den Taktstock.

1991 übernahm Erwin Lademann und 1995 Herbert Herzog den Vorsitz im Musikverein.

Die musikalische Richtung hebt sich seit dieser Zeit gravierend von der bisher üblichen Blasmusik der Musikvereine ab. Mit sehr großem Erfolg, was die Bewertungen in zwei Wertungsspiele 1994 und 1997 beweisen.

1995 haben wir unser erstes Kirchenkonzert in der neuen St. Michaelskirche mit dem Gesangverein Karsau und Kirchenchor Beuggen-Karsau durchgeführt, was eine erfolgreiche Veranstaltung war.

Am 03. Juli 1997 wurde der „Förderverein des Musikverein Karsau“ gegründet. Zweck dieses Vereins ist es, dem Musikverein Karsau durch ideelle und  finanzielle Förderung in all seinen Bereichen (z.B. Jugendarbeit, Anschaffung von Instrumenten und Noten etc.) zu unterstützen, um die Arbeit des Musikvereins zu ermöglichen und den Bestand und die Zukunft zu sichern. Dies geschieht durch die  Beschaffung von Mitteln durch Beiträge, Spenden und die Durchführung von verschiedenen Veranstaltungen. 1. Vorsitzender ist Herbert Herzog.

Vom 17.-20. Juli 1998 wurde
im Schloss Beuggen das 100-jährige Bestehen gebührend gefeiert. Es wurde ein Fest der Blasmusik unter anderem mit dem „Kolpingorchester Mühlen“ aus dem Oldenburger Land, der „Trachtenkapelle  Bertoldshofen“ aus dem bayerischen Allgäu und dem „Eisenbahnmusikkorps Hamar“ aus Norwegen. An diesem Fest wurde auch unsere Vereinsfahne, gest. von Fam. Herbert Rietschle, eingeweiht. Vielen Dank an die Verwaltung der „Evangelischen Tagungs- und Begegnungsstätte Schloss Beuggen“, besonders Herrn Pfarrer Hans-Jürgen Schmidt, für die Erlaubnis des 4-tägigen Jubiläumsfestes. 

Aktivmitglieder am 100-jährigen Jubiläum 1998

Fahnenspende von Familie Herbert Rietschle MMZ Möbel

Etwas Schönes ist eine Freude für immer

1999 unternahm der Musikverein eine größere Reise nach Mühlen zum 50-jährigen Jubiläum des „Kolpingorchester Mühlen“. Am 100-jährigen Jubiläum der „Freiwilligen Feuerwehr Karsau“ wurde ebenfalls zünftig musiziert und mitgefeiert.

2001 trat Herbert Herzog aus gesundheitlichen Gründen als 1. Vorsitzender zurück. Neuer Vorsitzender für zwei Jahre wurde Erwin Lademann.

2002 übernahm Herr Frank Amrein die musikalische Leitung, außerdem besuchten wir die „Trachtenkapelle Bertoldshofen“ an ihrem Waldfest und feierten mit ihnen unsere über 40-jährige Freundschaft.


2003 wurde Christian Forster 1. Vorsitzender.

2007 übernahm Urs Brombach, ein Musikant aus den eigenen Reihen, die musikalische Leitung, Anfang des Jahres 2010 teilte er dem Verein mit, dass ihm das Leiten des Aktivorchesters und die Ausbildung der Jungbläser (über 40 Zöglinge) zuviel sei und daher den Dirigentenstab des Aktivorchesters abgebe.

Seit Anfang September 2010 übernahm Stefan Anna, ebenfalls ein Musikant aus den eigenen Reihen, als Interimsdirigent bis zum Festlichen Konzert Anfang Februar 2011.

Im März 2011 übernahm Martin Schmidt die musikalische Leitung des Aktivorchesters. Im Juni veranstalteten wir dann das Openair-Konzert auf dem Kinderspielplatz in der Forststraße und damit Martin Schmidts erstes Konzert als Dirigent des Musikverein Karsau, in dem auch er als Jugendlicher ausgebildet worden war.

Im Dezember 2011 nach dem Kirchenkonzert gab Martin Schmidt bekannt, dass er das Amt des Dirigenten zum nächstmöglichen Termin niederlege, dem Verein jedoch
als Trompeter treu bleiben würde, welches aber nicht geschah.

Am 16. Januar 2012 übernahm erneut
Stefan Anna die musikalische Leitung des Aktivorchesters.

Am 07. März 2013 verstarb unser Ehrenmitglied Herr Wilhelm (Willi) Mahler. 1951 begann er seine aktive Tätigkeit im Musikverein und beendete Diese 2012 aus gesundheitlichen Gründen nach seiner Auszeichnung für über 60-jährige Vereinstreue  mit der „Ehrennadel in Gold mit Kranz, Diamant, Jahreszahl und Ehrenbrief" der Bundesvereinigung  Deutscher Musikverbände. Willi war im Musikverein als 1. Vorsitzender, Aktivbeisitzer und über 30 Jahre als Kassier tätig. Er war auch 1997 Gründungsmitglied vom Förderverein des Musikverein Karsau, in dem er auch über 14 Jahre als Kassier tätig war. Auch nach seiner aktiven Zeit, war die Verbundenheit zu unserem Verein immer spürbar. Seine humorvolle und offene Art wird uns fehlen. Wir danken Willi für seine Treue zur Blasmusik und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Im März 2013 übernahm Edith Brodbeck, als erste Frau, den Vorsitz des Musikverein


Am 24. April 2013 verstarb unser Ehrenmitglied und 1. Vorstand nach dem 2. Weltkrieg, Herr Hugo Gentili. Auch nach seiner aktiven Zeit, war die Verbundenheit zu unserem Verein immer spürbar und danken Hugo, für seine Treue zur Blasmusik, und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Am 01. Januar 2014 übernahm Herr Markus S. Tannenholz den Dirigentenstab von Stefan Anna, der aus beruflichen Gründen den Taktstock nach dem Festlichen Konzert im Dezember 2013 niederlegte.


Am 28. Dezember 2014 verstarb unser Ehrenvorstand Herr Gottfried Zumkeller. 1948 begann er seine aktive Tätigkeit im Musikverein und beendete Diese 1989 aus gesundheitlichen Gründen. Gottfried war über 28 Jahre in der Vorstandschaft tätig, allein 24 Jahre als 1. Vorsitzender und wurde hierfür 1987 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Wir danken Gottfried für seine Treue zur Blasmusik und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


Am 05. Dezember 2018 verstarb, plötzlich und unerwartet, unser Aktivmitglied, Herr Manfred (Manni) Mencarelli, im alter von nur 53 Jahren. Wir danken ihm für seine 5jährige Mitliedschaft und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


An dieser Stelle möchten wir unseren kleinen, punktuellen Rückblick beenden. Gefestigt durch intensive jahrelange Vereinsarbeit, der sich ein Stamm von Aktiven uneigennützig widmete, besteht der Musikverein Karsau nun über 121
Jahre.

Wir schließen ab mit ein paar Worten aus der Grußrede zum 100-Jährigen Jubiläum des 1. Vorsitzenden Herbert Herzog:

„Was unser Verein heute darstellt, ist in über 100 Jahren gereift, durch Idealismus und Teamgeist. Wir sind nicht über Nacht zu dem geworden, was wir heute sind. [...] Wenn wir jetzt auf über 100 Jahre zurückblicken, dann können wir schon ein wenig stolz sein.“


(c) musikverein karsau e.v. 1898 (aktuallisiert am 11.09.2019)
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