Musikverein Karsau

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Chronik

Die Chronik des Musikverein`s Karsau ist in 3 Kategorien aufgeteilt
1.) Kurzfassung
2.) Ausführliche Chronik 1898 - 1948
3.) Ausführliche Chronik 1948  - heute

Aktualisiert am 23.09.2011


1.) Der Musikverein Karsau wurde 1898 gegründet,
der genaue Tag der Gründungsversammlung, die in der „Blume“ stattfand, ist nicht bekannt.

Überliefert ist, daß Anfang  Juni 1898, die bei Bohland & Fuchs, in Graßlitz, Böhmen, bestellten Instrumente geliefert wurden. Von der Bahnstation „bei Rheinfelden“ wurden sie auf einem bekränzten Pritschenwagen abgeholt und in das Vereinslokal „Blume“ überführt.

Die Gründer des Musikverein Karsau
Lehrer Langenberger, Wilhelm Kaiser, Alfred Rietschle (ausgewandert nach Amerika), Alfred Hirtle, Reinhard Hirtle, Erhard Trüby, Otto Pfister, Karl Rietschle, Heinrich Rietschle,  Friedrich Brugger, August Rüsch, August Kaiser, Hermann Hoffahrth und Emil Frech.


Die Vorstände des Musikverein Karsau

1898 - 1900 Wilhelm Kaiser
1900 - 1902 Arnold Zumkeller
1902 - 1907 Reinhard Bannwarth
1907 - 1912 Oskar Zimmermann
1912 - 1919 Karl Brombach
1919 - 1921 Hermann Kaiser
1921 - 1923 Kaspar Markoni
1923 - 1924 Karl Brombach
1924 - 1927 Eugen Rietschle
1927 - 1932 Karl Brombach
1932 - 1934 Albert Rietschle
1934 - 1935 Hugo Bernbach
1935 - 1940 August Wenk
1948 - 1950 Hugo Gentili
1950 - 1952 Ernst Brombach
1952 - 1958 August Wenk
1958 - 1960 Herbert Wießmer
1960 - 1965 Gottfried Zumkeller
1965 - 1968 Wilhelm  Mahler
1968 - 1987 Gottfried Zumkeller
1987 - 1991 Klaus Ruf
1991 - 1995 Erwin Lademann
1995 - 2001 Herbert Herzog
2001 - 2003 Erwin Lademann
2003 - heute Christian Forster


                                                          Die Dirigenten des Musikverein  Karsau

                                                                     1898 - 1901 Lehrer Langenberger
                                                                     1901 - 1911 Traugott Klemm
                                                                     1911 - 1920 Wilhelm Kaiser
                                                                     1920 - 1929 Fritz Forster
                                                                     1929 - 1936 Kaspar Markoni
                                                                     1936 - 1940 Josef Mitteregger
                                                                     1948 - 1965 Anton Markoni
                                                                     1965 - 1974  Werner Lorch
                                                                     1974 - 1984 Hanspeter Brenneisen
                                                                     1984 - 1987 Ernst Kneusslin
                                                                     1987 - 1990 Hanspeter Brenneisen
                                                                     1990 - 2002 Prof.-Dr. Eckhart Hanser
                                                                     2002 - 2007 Frank Amrein
                                                                     2007 - 2010 Urs Brombach
                                                                     2010 - 2011 Stefan Anna
                                                                     seit 14.03.2011 Martin Schmidt


2.) ausführliche Vereinschronik 1898 -1948

Wilhelm Kaiser hieß der Mann, der 1898 die Initiative ergriff und junge Burschen dafür begeisterte, einen Musikverein zu gründen. Der genaue Tag der  Gründungsversammlung, die in der „Blume“ stattfand, ist nicht bekannt. Der junge Verein konstituierte sich wie folgt: Lehrer Langenberger Dirigent; Wilhelm Kaiser 1. Vorsitzender; Alfred Rietschle 2. Vorsitzender und Schriftführer  Alfred Hirtle Kassier, Reinhard Hirtle, Erhard Trüby, Karl Rietschle, Heinrich Rietschle, Friedrich Brugger, August Rüsch, August Kaiser, Hermann Hoffarth, Otto Pfister und Emil Frech.

Zur Instrumentenbeschaffung wurde in der Gemeinde  eine vom Bezirksamt Säckingen genehmigte Haussammlung veranstaltet, bei der etwa 200 Mark zusammenkamen. Namentlich gespendet haben die Blumenwirtin Elice Rietschle 20 M; die Kreuzwirtin Maria Brombach 10 M; die Wirtin der Kraftwerk-Kantine, Viognotti  10 M; Amalie Kaiser 10 M; Balduin Rietschle, zu Ehren seiner Tochter, Frau Graner, 10 M und Pfarrer Carl Thoma 5 M. Weitere 200 M. stellte der Militärverein mit der Auflage zur Verfügung, daß die Musik bei den Kirchgängen, an Großherzogs  und Kaisers Geburtstag, bei Beerdigungen von Veteranen, zu spielen habe und die Musikinstrumente bei Vereinsauflösung dem Militärverein gehören. Anfang Juni 1898 wurden die bei Bohland & Fuchs, in Graßlitz, Böhmen, bestellten Instrumente  geliefert. Von der Bahnstation „bei Rheinfelden“ wurden sie auf einem bekränzten Pritschenwagen abgeholt und in das Vereinslokal „Blume“ überführt. Die Instrumente bewährten sich sehr gut. Für die neu hinzugekommenen  Aktiven Reinhard Bannwarth, Johann Fuchs, Josef Kaiser und Friedrich Rietschle, gab es eine Nachbestellung. Der junge Musikverein Karsau machte gute Fortschritte. Es herrschte viel Eifer und eine strenge Disziplin. Dem von einer Militärübung heimkehrenden  Lehrer Langenberger wurde zum Empfang am Bahnhof Beuggen schneidig der Marsch „Gruß an Karsau“, unter Leitung des Stellv. Dirigenten Wilhelm Kaiser, gespielt.

Gegen Jahresende 1898 übersiedelte der Verein von der „Blume“ in den „Deutschen Kaiser“. Im vorhandenen ältesten Protokoll ist am 08. Januar 1899 Lehrer Langenberger als Vorsitzender genannt. Am 04. Juni 1899 übernahm dann der 2. Vorsitzende, der Schreiner Alfred Rietschle, dieses Amt. Der  Grund dafür war: Wilhelm Kaiser war wegen des Lokalwechsels aus dem Verein ausgetreten. Kurz darauf gründete er einen zweiten Musikverein, der sich „Harmonie Karsau“ nannte. Er muß sich hauptsächlich aus einem Kreis Arbeitskollegen  rekrutiert haben. Es waren dies: Josef Geiser, Schreiner; Fritz Kübler, Küfer; Friedrich Glatt: Wilhelm Hirtle; Alfred Müller; August Kaiser; Karl Sutter und Gottstein, die dann, durch die Karsauer Gebietsabtretung an Nollingen ab 1902 in der  neuen Gemeinde „Badisch Rheinfelden“ wohnhaft waren. Am 5. Juni 1905 löste sich die „Harmonie Karsau“ auf. Am selben Tag erfolgte unter Vorsitz von Peter Krauseneck die Gründung des Musikvereins „Harmonie Badisch Rheinfelden.

Eine Aufnahme aus dem Jahre 1901.                                                                                             
Stehend von links: Heinrich Rietschle; Hermann Hoffarth; Friedrich Brugger; Reinhard Bannwarth; Traugott Klemm; Johann Fuchs; Oskar Zimmermann; Friedrich Rietschle; Erhard Trüby; Ludwig Nann; Reinhard Hirtle; Babtist  Hirtle; Karl Bär. Sitzend von links: August Rüsch; Adolf Rietschle; Lehrer Langenberger; Arnold Zumkeller; Alfred Rietschle; Kurt Brombach.


Die im Jahre 1899 ins Leben gerufene Freiwillige Feuerwehr Karsau verpflichtete den Musikverein gegen Zahlung von jährlich 60 Mark bei Begräbnissen  und bei Festlichkeiten der Feuerwehr mitzuwirken. Im gleichen Jahr unternahm der junge Karsauer Musikverein einen dreitägigen Ausflug. Per Bahn ging es über Freiburg, Elzach, Konstanz, Rheinfall Schaffhausen und zurück nach Beuggen. 1899 fand  auch ein Preiskegeln und eine Christbaumverlosung zur Auffrischung des Kassenbestandes statt. Erwähnt ist erstmals der Vereinsbetrag von Aktiven, der auf 80 Pfg. pro Monat reduziert  wurde. Die  Bezüge des  Dirigenten  betrugen anfänglich  15 Mark; später 12 Mark pro Monat.
Aktive, die bei Proben fehlten und sich nicht innerhalb 24 Stunden schriftlich entschuldigten, zahlten 50 Pfg. Strafe. Im Jahre 1901 übernahm ein Hotzenwälder, Arnold Zumkeller, das Amt des Vorsitzenden. Den Mitgliedern, die im gleichen Jahr beim  Waldfest nicht Hand anlegten, wurde eine Strafe auferlegt. In diesem Jahr wurde auch der Mitgliedsbeitrag der Aktiven von 50 Pfg. auf 20 Pfg. pro Monat gesenkt. Schön muß die Schlittenpartie gewesen sein, die der Verein am 10. Februar 1901 mit Pferden  unternahm. Mit einem Wert von 10,27 Mark Gaben behangen war bei der Christbaumfeier am 5. Januar 1902 der Baum. Die Versteigerung einschließlich Stamm brachte 42,74 M. Mit 300 Losen wurden Gaben im Wert von 19,35 M. verlost, das Los zu 20 Pfg. Für  den nach dem Hotzenwald verzogenen Vorsitzenden übernahm 1902 Friedrich Rietschle den Vorsitz. Dieser wiederum wanderte 1903 nach Amerika aus. Für den nach Blasiwald versetzten Lehrer Langenberger übernahm 1901 Traugott Klemm aus Minseln den  Dirigentenstab. Im Jahre 1904 halfen die Karsauer in Wiechs bei der Gründung des „Alemannischen Musikverbandes“, dem sie seither angehören. Auf dem Hohen Flum, beim ersten Verbandsmusikfest, spielten sie „Divertissement“ aus der Oper Freischütz. Eine harte Trinkfestigkeitsprobe mußten die Vereinsmitglieder im Sommer 1906 auf einem gemeinsamen Ausflug mit dem Bierbrauerverein Rheinfelden/Schweiz bestehen.  
Im Dorf kam es gelegentlich zu Gemeindeveranstaltungen mit dem Leseverein Riedmatt und dem Gesangverein „Eintracht“. Beim Wasserfest (Einweihung der Dinkelberger Wasserversorgung) am 22. Juni 1908 spielte die Musik im Rundgang in den Verbandsgemeinden.  Vier Tage später wurde das 10 jährige gefeiert, bei dem die 27 Festjungfrauen durch Olga Fricker ein Trinkhorn überreichen ließen. Es gab einen Umzug, an dem sich der Radfahrverein „Wanderlust“, die Freiwillige Feuerwehr und  die Musikvereine aus Rheinfelden, Adelhausen und Öflingen beteiligten. Erlös beim Stiftungsfest: 74 Mark. Erstmals war in einem Protokoll von 1908 davon die Rede, die Gemeindeverwaltung wegen einer Unterstützung anzugehen. Neue Instrumente lieferte  1909 die Firma Glassel in Komtau/Böhmen, die die alten Instrumente in Zahlung nahm. Aus dem Altbestand kaufte Karl Brombach ein Flügelhorn für 12 Mark.; Otto Klingler ein B-Piston für 10 Mark. und August Rietschle eine Konzert Trompete für  10 Mark. Beim Verbandsmusikfest in Rheinfelden errang der Musikverein Karsau am 3. Juni 1912 bei schwerer Konkurrenz einen Lorbeerkranz. Infolge eines „unglücklichen Zufalls“ hätten die Bassisten versagt und dadurch die bessere Bewertung  zunichte gemacht. Ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Brandgeschädigten von Altglashütten erbrachte am 18. August 1912 einen netten Betrag, der an das Bezirksamt Säckingen überwiesen wurde. Gemeinsam mit dem „Freien Leseverein  Karsau“ ist am 14. Juli 1914 ein Waldfest veranstaltet worden.  

Fast alle Aktiven zogen im August 1914 in den Krieg. Verblaßt hingen die Instrumente im Vereinslokal, so als ob sie um ihre Bläser trauerten, von  denen mancher nicht mehr heimkam. Ersatzweise schulte der junge Musikant Eugen Rietschle 1915 zehn Zöglinge, die dann bereits 1916 die Alten bei der Fronleichnamsprozession vertraten. Sechs Aktive und sieben Passive kehrten nicht mehr aus dem Felde  heim. Die Chronik widmet jedem ein paar erinnernde Daten. Von einem Kameraden, dessen Geschlecht sehr mit dem Verein verbunden ist, findet sich folgender Eintrag: Anton Markoni, geb. 25.9.1892, Weber, einberufen 1.10.1914, Tiroler Schützen-Reg. Nr.  1, 4. Komp., gefangen am 4.2.1915 in den Karpathen, gest. im Mai 1916 in Petrosavak/Sibirien.

Die Überlebenden kamen am 11. Januar 1919 auf Einladung des früheren 2. Vorsitzenden August Rietschle (Moler Augi) zusammen. Hermann Kaiser übernahm den Vorsitz und der Gründer, Wilhelm Kaiser, den Dirigentenstab.  12 Millionen Reingewinn machte der Verein am 15. Juli 1923 beim 25-jährigen Stiftungsfest. Dafür wurden Vereinsmützen bestellt. Bei Auslieferung der Mützen war eine Nachzahlung von weiteren 35 Millionen fällig. Nach der Inflation konsolidierte  der Verein recht ordentlich. Die nachfolgenden Krisenjahre und die Arbeitslosigkeit eingangs der  Dreißiger Jahre  waren  erträglich, weil  die  Rheinfelder  Industrie Krisenfest blieb und keine Entlassungen vornahm. Dazu kam durch  den Bau des Kraftwerkes Ryburg-Schwörstadt Geld in die Gemeinde, aber auch viel Unruhe und fortwährende Schlägereien seitens der „Baraber“, die mit den Firmen Grün & Bilfinger und Philipp Holzmann hierher kamen. Vom Chronisten  sind auch einige denkwürdige Begebenheiten festgehalten. Dem alten Vereinswirt Julius Welde wurde auf dessen Wunsch bei seinem Begräbnis vor dem Trauerhaus sein Reitermarsch gespielt. Zu Grabe getragen wurde am 10. November 1926 Dirigent Traugott  Klemm, Rebstockwirt, aus Beuggen. Ergriffen standen die Musiker an seinem Grab. Sein ganzes Leben galt der Musik und dem Gesang. Eine große Trommel schenkte 1926 der Arbeiter-Radfahrverein der Musik. Im Garten hinter dem „Kaiser“ war  am 7. Juli 1928 das 30-jährige. Es herrschte große Hitze. Die leeren Bierfässer sollen wie Kartuschen einer Schnellfeuerbatterie vom Ausschank weggerollt sein. Bürgermeister Karl Wießmer hielt die Festrede. Zum 25 jährigen Priesterjubiläum  erhielt Pfarrer Spieß am 15. Juli 1928 ein Ständchen gespielt. Von Fritz Forster übernahm am 2. Februar 1930 Kaspar Markoni das Dirigentenamt.

Die Generalversammlung am 29. Januar 1933 brachte keine Änderungen der Vorstandschaft; aber dabei durfte es nicht bleiben. Der Chronist August Rietschle zog sich mit seiner Schilderung vorsichtig aus der Affäre.  Die außerordentliche Generalversammlung bestellte für den sehr verdienten, jedoch politisch (SPD) untragbar gewordenen Vorsitzenden Karl Brombach ( Musikvater ) am 25. Juni 1933 unter dem Druck der politischen Verhältnisse dessen Stellvertreter  zum Vorsitzenden.


Beim Fackelzug aus Anlaß des Anschlusses Österreichs an das „Deutsche Reich“ spielte der Musikverein Karsau in allen drei Ortsteilen. In der Storchenhalle in Riedmatt war am 4. August 1938 die Feier zum 40-jährigen Vereinsbestehen.  Auf staatliche Anordnung wurde der Verein am 4. Dezember 1938 zur Gemeinde-Kapelle erklärt. Als solche hatte sie keine finanziellen Sorgen; sie mußte sich aber in den politischen Rummel einspannen lassen, was vielen nicht behagte. Organisationsleiter  war Bürgermeister Adolf Frech, ein „Brauner“, aber ein menschlicher und seines Gemeindeamtes absolut würdiger Sachverwalter.


Eine allgemeine Gaudi, auch für politisch Andersdenkende gab es am 16. Januar 1939, als die ganzen Männer der Jahrgänge 1900 bis 1907 zur Musterung aufgeboten waren und danach am Bahnhof Beuggen von der Musik  mit klingendem Spiel empfangen wurden. Der politische Einfluß griff 1939 auch bei der Musik immer mehr hart durch. So mußte im „Kaiser“ bei einer Namensgebung (Kindstaufe) gespielt werden, wogegen die herkömmliche Teilnahme bei  der Fronleichnamsprozession untersagt blieb.  


Der „Deutsche Gruß“ und der Spruch auf den „Adolf“ war unter Kollegen, die politisch immun waren, nicht üblich. In der Öffentlichkeit, beim Betreten einer Amtsstube oder der Gastwirtschaft,  da blieb einem nichts anderes übrig. 

Auf Rockaufschlägen von Musikvereinsmitgliedern war das Abzeichen der NSDAP zu finden. Politik blieb jedoch, so gut es ging aus dem Verein herausgehalten. Eingedenk der schweren Wirtschaftskrise eingangs der Dreißigerjahre,  welche während des „Dritten Reiches“ überwunden wurde, war die Bevölkerung nicht abgeneigt, die nationale Strömung mitzumachen.

Mit der Parole „Arbeit und Brot“ wurde mit Nachdruck dieser Erfolg gepriesen. In der Schule wurden die Kinder zum Beitritt in die Jugendorganisation „Jungvolk“ und „Jungmädel“ aufgefordert. Nach der Schulentlassung erfolgte die Übernahme in die „Hitler-Jugend“ und in den „Bund deutscher Mädchen“. Relativ  wenig Eltern hielten ihre Kinder diesen Organisationen fern. Begeistert machte die Jugend  mit. In Jugendlagern, Abend-, Nacht-, Sport- und anderen Veranstaltungen fanden sie Gelegenheit, aus dem Elternhaus herauszukommen.  

Die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sich immer mehr verdichtende Aggressionspolitik und auch die Rassengesetze veranlaßten viele Gemeindemitglieder vom allgemeinen Kurs abzuschwenken. Äußerlich durfte  sich das niemand anmerken lassen, weil die Bespitzelung die „100% ige“ Gefahr beinhaltete, bestraft und in der beruflichen Entfaltung gehemmt zu werden.

 Die in Rheinfelden erschienene „Oberrheinische Zeitung“ und das „Säckinger Volksblatt“ mußten ihr Erscheinen einstellen. Auch die in der Gemeinde zahlreich gelesene „Volkswacht“, das SPD-Organ, erlag 1933 einem Verbot. Das Parteiblatt „Alemanne“ war als Zeitung entsprechend aufgemacht. Viele, auch Parteimitglieder informierten sich täglich, indem sie morgens, mittags und abends die Nachrichten des Schweizer  Radiosenders „Beromünster“ abhörten. Während des Krieges war das streng verboten.

Der katholische Ortsgeistliche Richard Schneider, der in seinen Predigten und bei Hausbesuchen den staatspolitischen Gesetzen widersprach, wurde deswegen im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Neben der NSDAP gab es  in der Gemeinde eine SA und andere Organisationen.   

Soldatengruß 1941                                                                                                                           
Vor der Schule in Karsau entstand 1941 dieses Bild. Der sitzende Nachwuchs von links: Herbert Wießmer, Edwin Frech, Kurt Brombach, Heinz Deninger, Fritz Raupp, Kurt Wenk und Edwin Hirtle. Stehend von  links: Bürgermeister Adolf Frech, Fritz Rietschle, Albert Rietschle, Karl Gießler, Karl Brombach, Otto Frietsche, Werner Forster, Fritz Kym, Hugo Gentili, Gustav Rietschle, Franz Brombach, Berthold Markoni, Franz Frommer, Albert Brombach, Reinhold  Lützelschwab, Kaspar Markoni und Dirigent Josef Mitteregger.

Im August 1939 mußten alle Männer zwischen 20 und 45 Jahren, soweit sie nicht „uk“ gestellt waren, zum Militär einrücken. In  den ersten Kriegstagen mußten die Pkw-Besitzer aus den Ortschaften am Westwall die Einwohner evakuieren. Fast in jedem Haus waren Leute aus Fischingen oder Egringen untergebracht.

Auch das Vieh hatten die Leute mitgebracht. Viele gingen später wieder zurück und mußten dann 1940 vor dem Westfeldzug wieder ihre Häuser räumen. 

Von 1939 bis 1948 waren Lebensmittel, Schuhe, Fahrradbereifung, Kleidung, Benzin u.a. rationiert. Einmal im Jahr gab es eine Kleiderkarte und jeden Monat auf dem Rathaus für jede Person die Lebensmittelkarten. Bauern,  die Selbstversorger waren, bekamen keine.

Beim Einkauf der Lebensmittel mußte der, jeweils für den Bezug der Ware entsprechende Kartenabschnitt, mit der Schere abgetrennt werden. Leute, die körperlich schwer arbeiten mußten, bekamen Schwer- und Schwerstarbeiter-  Zulagekarten.

Gegen Kriegsende und kurz danach war die Versorgung der Bevölkerung katastrophal. Die französische Besatzung war zu einem großen Teil mitzuversorgen, weil in Frankreich die Wirtschaft auch daniederlag. In der  englischen und amerikanischen Besatzungszone war die Lebensmittelversorgung wesentlich besser. 

Es gab in der Gemeinde oft Vieh- und andere Bestandsaufnahmen. Wenn die vom Rathaus bestimmten Zähler kamen, wurden Hühner, Schweine und andere Viecher versteckt. Der Schwarzmarkt und die Schwarz-Schlachtungen blühten.  Auch der Handel mit Genußmittel. 

n vielen Häusern wurde schwarz gemahlen und auch gebrannt. Der Preis für 250 g Rohkaffee betrug 1945 etwa 300 Mark; der Stundenlohn eines Arbeiters etwa 70 Pfennig. Sehr ernste Probleme gab es bei der Ernährung  der Kleinkinder.

Es gab Fälle, wo Leute zum Kartoffelbraten Kerzenwachs verwendeten. Größtenteils war die Bevölkerung richtiggehend abgemagert. 

Kriegshandlungen gab es 1940, als im August englische Flugzeuge in einer Nacht die Aluminium-Hütte bombardierten. Später, ab Herbst 1944, überflogen von Frankreich her Jagdbomber täglich das Hochrheingebiet,  um mit kleinen Bomben und Bordwaffen Ziele, ja sogar einzelne Personen, die auf dem Feld arbeiteten, anzugreifen. Die Züge fuhren deswegen meist nur zur Nachtzeit. 


Ein weiteres Problem war die polizeilich überwachte Verdunkelung der Gebäude und der Fahrzeuge ( auch Fahrräder ) zur Nachtzeit, damit Fliegern kein Angriffsziel geboten war. Oft überflogen große Bomberverbände  unsere Gemeinde, wenn sie in Augsburg, München, Nürnberg oder sonstwo ihre tödliche Fracht abluden. 

An der Schildgasse waren Barackenlager, in denen von 1940 bis 1945 französische, russische und zuletzt noch, italienische Kriegsgefangene untergebracht waren. Polnische Zivilinternierte (bei Landwirten eingesetzt)  wohnten in dem niedrigen Gebäude hinter der alten Schule.

Der gegen Kriegsende befohlene „Totale Krieg“ verlangte von Schülern, Frauen und alten Männern Schanzarbeiten. In den Vogesen gerieten einige Schanzer im November 1944 in Gefangenschaft.

Die älteren, noch daheimgebliebenen Männer, mußten im letzten Kriegsjahr im Volkssturm Dienst leisten. Ihnen oblag in der Hauptsache die Ortsverteidigung.

Mit langen Baumstämmen wurden an der B34 bei der Tschamber-Höhle  und beim Dorfbrunnen in Riedmatt Panzersperren errichtet. An Sonntagen mußte der Volkssturm die Schließung für den Tag X üben. Als die  Franzosen vor dem Ort standen, widersetzten sich Frauen aus Riedmatt der Schließung der Sperren.

Um die drohende Vernichtung abzuwenden, verlangte Bürgermeister Frech, daß der Ort nicht verteidigt werde. Deswegen geriet er in Widerspruch zu dem bestehenden Befehl. Ein Hauptmann der Wehrmacht setzte ihm in Riedmatt  im Beisein einiger Volkssturm- und Wehrmachtsangehöriger seine Pistole auf die Brust. Angesichts der Haltung beherzter Riedmatter zog der Hauptmann dann stillschweigend ab.

Die Radfahrschwadron bekam in Riedmatt Zivilkleidung und verduftete. Zum Zeichen der Kapitulation hingen an den Häusern weiße Bettücher. Einige Regimetreue  haben in den letzten Tagen als sogenannte „Wehrwölfe“ im Minsler Wald in einer eingegrabenen Baracke gehaust. Sie verhielten sich ruhig, wurden aber nach der Kapitulation wegen ihres politischen Verhaltens inhaftiert. 

Anmerkung: Wir haben dieses düstere Kapitel unserer Dorfgeschichte in die Chronik aufgenommen, damit es unserer jüngeren Generation zugänglich ist und erhalten bleibt. Dafür möchten wir die Älteren um  Verständnis bitten.

Die Besatzungszeit 
Wie es in unserem Vereinsleben während des Krieges und kurz danach aussah, das läßt sich aus den vorangegangenen Schilderungen ermessen. Sechs Aktive sind gefallen; als letzter kehrte anfangs Januar 1950 Werner  Brombach aus der Gefangenschaft heim. 

Durch Kontrollgesetze waren 1945 alle Vereine und Vereinigungen aufgelöst worden. Im Dorf waren keine Besatzungssoldaten. Trotzdem wurde viel requiriert. Jeder Haushalt mußte komplette Kleidungsstücke für  die Einkleidung eines Mannes abliefern. Die „Wiedergründung“ des Musikvereins mußte 1946 von politisch „unbescholtenen“ in französischer Sprache beim Gouvernement Militär in Säckingen beantragt werden. Am 14.  Februar 1948 konstituierte sich der Verein in einer Wiedergründungsversammlung. Unter dem Vorsitz von Hugo Gentili und dem bewährten Militärmusiker Anton Markoni als Dirigenten kam es zu einem raschen, erfolgreichen Aufstieg. Ein Debut seines  Könnens gab der „Toni“ zuvor, als er als „Prisonier“ mit einer Kapelle in Karsau ein Konzert gab.

Mit einjähriger Verzögerung feierte der Verein vom 4. bis 6. Mai 1949 im „Maurer-Garten“ in Beuggen das 50 jährige Jubiläum. Dazu waren 27 Festjungfrauen und die drei Gründer Wilhelm Kaiser,  Heinrich Rietschle und Emil Frech aufgeboten. Die Festprogramme erschienen mit Inseraten in einer kleinen Festschrift. Das Jubiläumsfest nahm einen sehr, dem Ansehen des Vereins dienenden, Verlauf.

3.) ausführliche Vereinschronik 1948 - heute

In Karsau, man muß es einfach betonen, sind Musik und Gesang zuhause. Daher war es auch nicht verwunderlich, als bei der ersten Möglichkeit von Seiten  der Besatzung, der Musikverein Karsau wieder auflebte, und das Glück trug den Namen Anton Markoni, der es seit 1948 als Dirigent vorzüglich verstand, eine Mannschaft zusammen zu schmieden, sie musikalisch zu schulen und der Dorfgemeinschaft eine  Möglichkeit der musikalischen Jugendschulung zu bieten. Und kontinuierlich wuchs unter seiner tatkräftigen Leitung in 17 Jahren der Musikverein zu musikalischer Hochleistung an. Sein Wirken darf nie in Vergessenheit geraten und verdient heute noch  höchsten Dank! 

Er, als „alter“ Militärmusiker vergaß es auch nie, das Gedenken an die im Krieg gefallenen Musikkameraden wachzuhalten.

Es waren dies: Wießmer Hugo, Frommer Franz, Zumkeller Paul, Rietschle Albert, Spitz Gottfried und Brugger Ernst.

Hugo Gentili, damals der 1. Vorsitzende des „neuen“ „jungen“ Musikvereins hatte sicher keine leichte Aufgabe. Mit Bravour meisterte er mit seinen Mannen die ersten, sicher schweren Hürden  nach dem Neustart. 1949 wurde, mit einem Jahr Verspätung, im „Maurergarten“ in Beuggen das 50-Jährige gefeiert. 

Aktivmitglieder beim 50-jährigen Jubiläum                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Sitzend von links:Hugo Bernbach; August Rietschle; Albert  Rietschle; Adolf Rietschle; Hugo Gentili; Anton Markoni; Karl Brombach; Karl Wießmer; Karl Hirtle und Ernst Brombach.Mittlere Reihe von links:Karl Hinderer; Erich Dold; Erwin Hirtle; Werner Stockmar; Hans Brugger; Gottfried Zumkeller; Edwin Frech;  Herbert Wießmer; Herbert Geipel; Rudi Brombach; Werner Forster; Berthold Markoni und August Wenk.Hintere Reihe von links:Ewald Brombach; Reinhard Fingerlin; Hans Zumkeller; Fritz Fritsche; Otto Zumkeller; Bruno Wießmer; Fritz Kym; Guido Markoni;  Hugo Sauer; Kurt Wenk; Otto Fritsche und Helmut Storf

Schön, und für das stark wachsende Karsau förderlich, war die Integration vieler „Neubürger“ in dem Verein. Über den Musikverein   hatten sie eine neue Heimat gefunden. 

Ein schmerzlicher Verlust für den Verein war 1949 der Tod von Aktivmitglied Karl Rietschle (Andres), doch freute man sich in diesem Jahr auch über eine echte Verjüngung der Kapelle durch 14 Zöglinge. Viele  von ihnen hielten dem Verein recht  lange die Treue. 

1949 konnte der Musikverein Karsau erstmals wieder die Erstkommunikanten zur Kirche geleiten, was unter der Nazi-Diktatur nicht geduldet war. Am 20. November 1949 schloß sich der Musikverein Karsau wieder dem Alemannischen  Musikverband an.

Schon 1950, am 02. Juli, wagte sich Anton Markoni mit seinen Musikern am ersten Wertungsspiel, nach dem Krieg, in Wyhlen teilzunehmen und stolz mit dem Prädikat  der Mittelstufe, heimzukehren. 

Zum Ende des Jahres 1950 verstarb der verdienstvolle Gründer des Musikvereins Karsau Wilhelm Kaiser. 

1952 übernahm der stets humorvoll wirkende August Wenk den Vorsitz im Verein. Seine erste Tat war die Anschaffung der neuen „braunen“ Uniform. In diesem Jahr verstarb ein großer Förderer des Musikvereins,  der Bürgermeister Ernst  Albietz.

Sein Nachfolger wurde Albert Brombach. De „Berti“ war bereits ein Ehrenmitglied des Karsauer Musikvereins und alleine schon deshalb mit der Musik eng verbunden. 

Am 22.06.1952 wagte man sich abermals an ein Wertungsspiel. In Steinen errang man die Wertung „hervorragend“. 

Daß Geselligkeit eines der Höchsten Prinzipien des Vereins war, zeigt sich, als sich in dieser Zeit einige, damals aktive Musiker entschlossen, eine Narrenzunft Karsau zu gründen und somit auch eine „Moschtbiremusik“. (Fasnacht  mit Umzügen und Musik wird in der Vereinschronik aber schon 1950 erwähnt.) 

Die in Beuggen wohnenden Aktivmusiker probten zu Fasnacht immer in der Buchbinderei Hirtle. Dabei entstand der allseits bekannte Ohrwurm „Beuggener Narrenmarsch“, den die „Moschtbiremusik“  heute noch, bei jedem fasnächtlichen  Auftritt spielt. 

Bis zum heutigen Tag blieb der Musikverein Karsau, als weithin bekannte „Moschtbiremusik“, mit ihren roten Hosen, grünen Blusen und der markanten „Moschtbire“ auf dem Kopf, der Narrenzunft  treu und begleitet sie musikalisch  bis zu 10 mal jährlich an allen möglichen Umzügen und Veranstaltungen.

Ausführlich wurden die ersten Jahre der Wiedergründung hier dargestellt, in voller Absicht, denn diese Pionierjahre haben es verdient, in der Erinnerung festgehalten zu werden. 

Die nächsten Jahre folgen nun mit den wichtigsten Begebenheiten. So feierte die Gemeinde, unter Mitwirkung des Musikvereins, am 19.04.1953 die Einweihung der neuen Schule. In Minseln wurde die 1200 Jahrfeier mitgestaltet,  ebenso das 50-jährige  Vereinsjubiläum der Stadtmusik Rheinfelden.

Am Fasnachtsumzug in Rheinfelden am 12. Februar 1956 war es so kalt, daß nur ein Marsch gespielt werden konnte. Danach waren die Instrumente eingefroren.

Am 27. Mai 1956 errang der Musikverein Karsau beim Wertungsspiel in Tiengen in der Oberstufe die Wertung „vorzüglich“.

Am 09. September 1956 wurden die neuen Glocken der „Michaelskirche“ vom Ortseingang Beuggen in das Schloß, unter feierlichen Klängen des Musikvereins, geleitet. Es war ein Festtag für die gesamte  Gemeinde.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben wurde das 60-jährige Jubiläum vom 21.-23. Juni 1958 auf dem Festplatz im „Dreispitz“ zwischen den Landstraßen nach Nollingen und Rheinfelden.

Dieses Fest wurde ein voller Erfolg - zur Belohnung gab es einen unvergesslichen, 2-tägigen Ausflug nach Lichtenau, der Heimatgemeinde unseres Förderers Ernst Lutz. 

Anzumerken ist, daß der Musikverein in diesen Jahren 1950 - 1958 sehr aktiv war. Besuche bei Gastvereinen bis weit über die Bezirksgrenzen waren keine Seltenheit. Auch wurde bei Festen und Anlässen der örtlichen  Vereine sehr oft auch zu Tanz  gespielt. Keine Seltenheit war auch, daß der MVK zu Hochzeiten und Jubiläen eingeladen wurde. Die Eintragungen in den Protokollbüchern hatten immer bis zu 45 Auftritte zu verzeichnen

Am 02. August 1959 galt es mit einem Ständchen den neuen (und letzten) Karsauer Bürgermeister Willi Spitznagel zu begrüßen. Auch er wurde ein großer Fan des Musikvereins. Willi Spitznagel blieb bis zur  Zwangseingemeindung am 01.01.1975  Bürgermeister von Karsau. 

Immer wieder feierten die Musiker mit ihren Freunden vom Sportverein und besonders mit dem Gesangverein gemeinsame Wald- und Sommerfeste. Enge Kontakte pflegten die beiden langjährigen Dirigenten: Anton Markoni vom  Musikverein und Heinrich Schweikert  vom Karsauer Gesangverein, miteinander, so daß viele gemeinsame Auftritte immer wieder bei der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurden.

Vom 17.-19. Juni 1960 organisierten die Verantwortlichen des Musikvereins einen Ausflug in das allgäuische Bertoldshofen. Noch im gleichen Jahr statten die Bertoldshofener einen Gegenbesuch ab. Noch sehr oft sollten  sich diese gegenseitigen Freundschaftsbesuche  wiederholen. Daraus entstanden unter vielen Familien Freundschaften, die bis zum heutigen Tage anhalten. 

1962 organisierte der Verein, im Auftrag der Gemeinde Karsau, das „Wasserfest“ der Dinkelberger Wasserversorgung in einem großen Festzelt beim jetzigen Ponyhof. Verbunden mit diesem überörtlichen  Ereignis war die Uniformweihe der  „grauen Uniform“, dem „Zweireiher“.  

1964 verdienten sich die Karsauer Musiker unter Stabführung von Anton Markoni beim Wertungsspiel in Schwörstadt ein „vorzüglich“. 

1965 wurde Willi Mahler zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Der Dirigent Anton Markoni gab nach 17 Jahren eifrigen Schaffens den Taktstock an den Rheinfelder Werner Lorch weiter, der ganz in seinem Sinne die Leistungen  der Musiker weiter forderte  und förderte.

In diesem Jahr wurde die Satzung des Musikvereins neu verfaßt. Mit wenigen ergänzenden Änderungen ist sie heute noch gültig.

Auszug aus der Satzung:
 Paragraph 1         Name und Sitz des Vereins
 
Der Verein wurde im Jahre 1898 gegründet und trägt den Namen „Musikverein Karsau“; er hat seinen Sitz in der Gemeinde Karsau. Er soll in das Vereinsregister eingetragen werden.  
Paragraph 2         Zweck des Vereins
 
Der Verein dient gemeinnützigen Zwecken. Er will die Volksmusik in der Gemeinschaft pflegen und fördern und den weltlichen und kirchlichen Festen den musikalischen Rahmen geben; er will darüber hinaus auch der Geselligkeit innerhalb der Gemeinde   dienen.
 
Paragraph 3         Mitgliedschaft
 
a)   Aktives Mitglied kann jede unbescholtene Person werden, die ein Musikinstrument beherrscht. Über die Aufnahme eines aktiven Mitgliedes entscheidet der Gesamtvorstand zusammen mit dem Dirigenten.
Jedes aktive Mitglied ist verpflichtet, an den festgesetzten Proben und anderen Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen. Für seine Mitwirkung erhält das aktive Mitglied keine Entschädigung.
 
b)   Passives Mitglied kann jede unbescholtene Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat, oder Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben mit der Zustimmung (schriftlich) ihres gesetzlichen Vertreters. Über die Aufnahme entscheidet   der Gesamtvorstand. Jedes passive Mitglied ist zur Zahlung eines Vereinsbeitrages verpflichtet. Die Höhe dieses Beitrages wird durch die Generalversammlung bestimmt.
 
a)   Der Austritt eines aktiven oder passiven Mitgliedes kann nur zum Ende eines Geschäftsjahres erfolgen; er muß dem Vorstand schriftlich angezeigt werden.
 
........ usw.
 
Diese Satzung wurde am 29. Januar 1966 bei der Generalversammlung des Musikverein Karsau im Gasthaus zum Kaiser in Karsau durch die damalige Vorstandschaft und anwesenden Mitglieder einstimmig genehmigt.

Wie in jedem Verein, gab es auch beim Musikverein in den vielen Jahren immer wieder Wechsel in der Vorstandschaft. 1958 hatte der Wenk „Gusti“ die Vereinsverantwortung in die jüngeren Hände von Herbert  Wießmer gelegt, der 1960  von Gottfried Zumkeller, dem dynamischen Jungmusiker, abgelöst wurde. Er pausierte von 1965 bis 1968, dann aber übernahm der Gottfried ab 1968 die Geschicke des Vereins vorbildlich bis zum Jahre 1987. Für diese lange  Zeit des Schaffens wurde  Zumkeller Gottfried zum Ehrenvorsitzenden des Musikvereins Karsau ernannt. Eine lange, verdienstvolle und erfolgreiche Zeit. Er war es auch, der immer wieder zu Vorstandssitzungen rief, um eine große Mehrheit für Vereinsentscheidungen  zu finden. 

Immer stärker wurde der Musikverein in Anspruch genommen durch Konzerte, damals noch im alten „Kaiser-Saal“, Fasnachtsveranstaltungen, kirchliche Anlässe, Freundschaftsbesuche, Teilnahme an Gemeindeanlässen  und 1970 endlich auch  bei der Einweihung der Mehrzweckhalle. 

Nie haben die Bewohner des Bürgerheimes Rheinfelden die alljährlich stattgefundenen Konzerte der Karsauer Musiker in ihrem Wohnheim vergessen.

Noch mehr strapaziert wurde in dieser und der vergangenen Zeit die Unterhaltungsabteilung - die Tanzmusikgruppe -, die oft auf „zwei Hochzeiten“ gleichzeitig spielten. Die eine Gruppe am Waldfest des Sportvereins  Karsau, die anderen bei  einer Veranstaltung in Minseln. 

Alles in allem gesagt, der rührige Verein war immer ausgebucht, was den Zusammenhalt vorbildlich festigte.

40 bis 50 Auftritte und ebensoviele Proben waren und sind immer noch das Jahrespensum eines Musikers. Ich denke, das alleine schon verdient großes Lob und Anerkennung, wenn man bedenkt, daß die ganzen Strapazen  ehrenamtlich auf sich genommen werden  und nur den Zweck hat, die Blasmusik zu fördern, jungen Menschen eine Möglichkeit der sinnvollen Freizeitgestaltung zu geben, und den Mitmenschen eine „musikalische“ Freude zu machen, die leider  nicht immer gebührend honoriert  wird. 

„Einem jeden recht getan ist eine Kunst die niemand kann.“ 


Wieder ein ganz besonderes Ereignis war 1971 die 700-Jahrfeier der Gemeinde Karsau, die, mit 2 jähriger Verspätung, unter Mitwirkung des Musikvereins gefeiert wurde. Dieses Fest wurde wieder, zum 3. mal nach Kriegsende,  mit einer Uniformweihe verknüpft.  Dieses mal war die neue Uniform grün. Das Festkonzert war ein unvergeßlicher Höhepunkt in der Geschichte Karsaus. 

Unvergeßlich wird die 75-Jahrfeier des Musikvereins Karsau 1973 bleiben. In einem großen Festzelt in der „Sengele“ wurde 4 Tage und Nächte lang dieser Geburtstag gefeiert. Viele werden sich noch  gerne an dieses Fest mit dem „Großen Zapfenstreich“, der von den Musikvereinen Karsau und Minseln und dem Fanfarenzug Karsau aufgeführt wurde und dem Konzert des Luftwaffenmusikkorps II der Bundeswehr erinnern.

1974 mußte der Dirigent Werner Lorch krankheitshalber den Taktstock niederlegen. Vorstand Zumkeller konnte in einer der nächsten Vorstandssitzungen den neuen Dirigenten, Hanspeter Brenneisen, ein dynamischer junger  Mann aus Grenzach, vorstellen. 

Hanspeter Brenneisen leitete den Musikverein Karsau erfolgreich und zielbewußt von 1974 bis 1984 und nochmal von 1987 bis 1990. 

Die 70er Jahre waren geprägt von eifrigem musizieren zu allen erdenklichen Anlässen. Eine Leistungssteigerung des Vereins war echt zu spüren und Ortsvorsteher Herbert Rietschle zeigte den Stolz der Gemeinde auf  seinen Musikverein bei jeder sich  bietenden Gelegenheit. Gemeinschaftskonzerte für Musik- und Gesangverein waren zur guten Tradition geworden. Die Anerkennung zeigte sich auch in der Mitgliederzahl, die bereits die 400 überstieg.

Herbert Rietschle ist bis heute ein treuer und großer Gönner und Förderer geblieben. Hat er doch dem Musikverein Karsau zu seinem 100. Geburtstag eine Vereinsfahne geschenkt. Hierfür bedanken sich die aktiven  Musikerinnen und Musiker nochmals  recht herzlich. 

Was heute schon selbstverständlich ist, begann beim Musikverein Karsau 1975. In diesem Jahr „traute“ sich zum ersten mal in der Vereinsgeschichte eine junge Dame, Susanne Albietz, unter die Männer.  Susanne war somit die erste Musikerin  im Musikverein Karsau. Heute sind rund 70 % der Zöglinge Mädchen. 

1981 nahm der Musikverein Karsau am Bundesmusikfest in Villingen teil. Für die damaligen Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis

1984 verabschiedete sich der Dirigent Hanspeter Brenneisen nach 10 Jahren erfolgreicher Arbeitsleistung vom Karsauer Musikverein und übergab den Taktstock an den Fahrnauer Klarinettisten Ernst Kneusslin. Dieser dirigierte  die Kapelle bis 1987. 

Ab 1987 dirigierte wieder Hanspeter Brenneisen für weitere 3 Jahre den Musikverein und der langjährige 1. Vorsitzende Gottfried Zumkeller gab nach 25 Jahren bester Arbeit die Vereinsführung an Klaus Ruf ab. 

Klaus Ruf, dessen erste Amtshandlung es war, Gottfried Zumkeller zum Ehrenvorstand des Musikvereins Karsau zu ernennen, blickte auf 489 Mitglieder. Eine stolze Zahl! ( Die „magische“ Zahl 500 ist bis heute  noch nicht erreicht ).

1988 feierte der Musikverein, in einem Festzelt am Karsauer Sportplatz, den 90. Geburtstag. Dieses Fest brachte dem Verein leider nicht den gewünschten Erfolg. 

1990 kam ein entscheidender Wechsel in der musikalischen Vereinsführung. Ein junger Mann aus Rheinfelden, Dr. Eckhart Hanser, übernahm den Taktstock.

1991 übernahm Erwin Lademann und 1995 Herbert Herzog den Vorsitz im Musikverein.

Die musikalische Richtung hebt sich seit dieser Zeit gravierend von der bisher üblichen Blasmusik der Musikvereine ab. Mit sehr großem Erfolg, was die Bewertungen in zwei Wertungsspiele 1994 und 1997 beweisen.

1995 haben wir unser erstes  Kirchenkonzert in der neuen St. Michaelskirche mit dem Gesangverein Karsau und Kirchenchor Beuggen-Karsau durchgeführt, was eine erfolgreiche Veranstaltung war.

Am 03. Juli 1997 wurde der "Förderverein des Musikverein Karsau" gegründet. Zweck dieses Vereins ist es, dem Musikverein Karsau durch ideelle und  finanzielle Förderung in all seinen Bereichen (z.B. Jugendarbeit, Anschaffung von Instrumenten und Noten etc.) zu unterstützen, um die Arbeit des Musikverein`s zu ermöglichen und den Bestand und die Zukunft zu sichern. Dies geschieht durch die  Beschaffung von Mitteln durch Beiträge, Spenden und die Durchführung von verschiedenen Veranstaltungen. 1. Vorsitzender Herbert Herzog.

Vom 17.-20. Juli 1998 wurde das 100jährige Bestehen, im Schloss Beuggen, gebührend gefeiert. Es wurde ein Fest der Blasmusik unter anderem mit dem "Kolpingsorchester Mühlen" aus dem Oldenburger Land, der "Trachtenkapelle  Bertoldshofen" aus dem bayrischen Allgäu und dem "Eisenbahnmusikkorps Hamar" aus Norwegen. An diesem Fest wurde auch unsere Vereinsfahne, gest. von Fam. Herbert Rietschle, eingeweiht. Vielen Dank an die Verwaltung der "Ev. Tagungs- und Begegnungsstätte  Schloss Beuggen", besonders Herrn Pfarrer Hans-Jürgen Schmidt, für die Erlaubnis des 4-tägigen  Jubiläumsfestes. 

Aktivmitglieder am 100 jährigen Jubiläum 1998

Fahnenspende von Familie Herbert Rietschle MMZ Möbel

Etwas Schönes ist eine Freude für immer

1999  unternahm der Musikverein eine größere Reise nach Mühlen zum 50-jährigen Jubiläum des "Kolpingsorchester Mühlen".  Am 100-jährigen  der "Freiwilligen Feuerwehr Karsau" wurde auch zünftig musiziert und mitgefeiert

2001 trat Herbert Herzog, aus gesundheitlichen Gründen, als 1. Vorsitzender zurück. Neuer Vorsitzender,  für zwei Jahre Erwin Lademann.

2002 übernahm Herr Frank Amrein die Musikalische Leitung, weiter besuchten wir die "Trachtenkapelle Bertoldshofen" an ihrem Waldfest und feierten mit Ihnen unsere über 40jährige Freundschaft



2003  wurde Christian Forster 1. Vorsitzender.

2007 übernahm Herr Urs Brombach, ein Musikant aus den eigenen Reihen, die Musikalische Leitung, Anfang des Jahres 2010 teilte er dem Verein mit, dass  Ihm das Leiten des Aktivorchesters und die Ausbildung der Jungbläser  ( über 40 Zöglinge) zuviel wird und daher das Aktivorchester abgibt.

seit Anfang September 2010 war Herr Stefan Anna, auch ein Musikant aus den eigenen Reihen, Interimsdirigent bis zum Festlichen Konzert Anfang Februar 2011. 

Im März 2011 übernahm Herr Martin Schmidt die musikalische Leitung des Aktivorchesters. Im Juni hatte wir dann unser Openair-Konzert auf dem Kinderspielplatz in der Forststraße und damit Martin Schmidt`s 1. Konzert mit dem Musikverein Karsau, wo er auch als Jugendlicher ausgebildet wurde.

Im Dezember 2011, nach dem Kirchenkonzert, gab Herr Martin Schmidt bekannt, dass er das Amt des Dirigenten, zum nächstmöglichen Termin, niederlegt, aber als Trompeter dem Verein treu bleibt.

Am 16. Januar 2012 übernahm
Herr Stefan Anna die musikalische Leitung des Aktivorchesters.

 An dieser Stelle möchten wir unseren kleinen, punktuellen Rückblick  beenden. Gefestigt durch intensive jahrelange Vereinsarbeit, dem sich ein Stamm von Aktiven uneigennützig widmete, besteht der Musikverein  Karsau nun über 111 Jahre

Wir möchte schließen mit ein paar Worten aus der Grußrede zum 100-Jährigen  des 1. Vorsitzenden Herbert Herzog.

 
Zitat: „Was unser Verein heute darstellt, ist in über 100 Jahren gereift, durch Idealismus und Teamgeist. Wir sind nicht über Nacht zu dem  geworden, was wir heute sind...“   „Wenn wir jetzt auf über 100 Jahre zurückblicken, dann können wir schon ein wenig stolz sein“


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